Chief Anti-Silos Officer: Wo bist du?

Erst kürzlich traf ich einen befreundeten Marketingleiter, der mir erzählte, dass ein großes internationales Unternehmen gerade erst damit beginnt, neue Strukturen und Prozesse zur Auflösung von Silos aufzubauen. Ziel ist es, Kommunikation und Projektarbeit besser zu koordinieren und Redundanzen und Ressourcenengpässe zu vermeiden.

Ich war etwas überrascht, dass ein solches Unternehmen erst jetzt damit begonnen hat, da die agile Arbeitsweise ja bereits vor mehr als 25 Jahren für die Softwareentwicklung entwickelt wurde. Aber, OK, besser spät als nie.

Ich begann mich zu fragen, was solche Änderungen für all diejenigen bedeuten, die sich in ihren Komfortzonen aufhalten. Sie bauen dort ein Netzwerk auf und sammeln Wissen und Erfahrung in dem Glauben, dass sie es in den kommenden Jahren noch anwenden können.

Funktionale Kompetenzen vor Praxiserfahrung

Heute werden in vielen Bereichen betriebswirtschaftliche und funktionale Kompetenzen als wichtiger angesehen als langjährige Erfahrung aus der Praxis. Viele Unternehmen schulen ihre Mitarbeiter in neuen Technologien und Prozessen, befähigen sie aber nicht mit Social- und Soft Skills – genau das, was nötig ist, um agil und lean zu arbeiten und Silos aufzubrechen.

Seit Jahren beschäftige ich mich mit diesem Widerspruch und habe bereits einige meiner Überlegungen in Artikeln geteilt. Um mit der heutigen Geschäftswelt Schritt halten zu können, Innovationen zu fördern und Unternehmensentwicklung zu unterstützen, muss sich jeder zunächst selbst analysieren.

Unabhängig von Alter, Berufserfahrung und externen Rahmenbedingungen:

  • Wie offen sind Sie für Neues?
  • Wie zuversichtlich sind Sie im Umgang mit den Meinungen und Ideen anderer?
  • Wie gut präsentieren Sie Ihre eigenen Projekte und Lösungen?

Mitarbeiter können mit Coaching und Training Fähigkeiten erwerben, die sie benötigen, um sich in einem ständig verändernden Umfeld wohler zu fühlen. Und doch besteht die Gefahr, dass neue Wege nicht konsequent beschritten werden, und somit zu Frustration führt. Wie schön wäre es, wenn Sie jemanden vor Ort hätten, der Ihnen und anderen den Weg zeigt, in neuen agilen Teams über die Grenzen von Silos hinweg zu arbeiten.

Für mich hätte diese Person viele Fähigkeiten eines Scrum-Masters, der ein funktionsübergreifendes Team dabei unterstützt, konzentriert den vorab festgelegten Sprintzielen zu folgen. Doch ist das nicht genug. Scrum-Master befassen sich meist mit aktuellen Projekten und Notwendigkeiten und sind weniger mit langfristigen Prozessen und Methoden beschäftigt, die in einer agilen und schlanken Umgebung benötigt werden. Anti-Silo-Beauftragte sollten Teil des Managements sein, Lean-Management-Philosophien leben, andere zum Wissensaustausch ermutigen und befähigen, offene Teams und Strukturen zur Zusammenarbeit in funktionsübergreifenden Teams ermöglichen, anderen helfen, die Bedürfnisse verschiedener Interessengruppen, wie Kunden, Mitarbeiter, Management zu verstehen und agile Prozesse einrichten und pflegen. Alles Fähigkeiten, die in der heutigen globalen, multi-kulturellen Wirtschaftswelt mehr denn je über langfristigen und sicheren Erfolg entscheiden.

Deshalb, meine Frage: Warum gibt es nicht in jedem Unternehmen bereits einen Chief Anti-Silo Officer? 

 

 

August 10th, 2019 by