Alles Corona? Kommunikation in Krisenzeiten

Stellen Sie sich vor, es ist Messe und keiner geht hin. So etwas Ähnliches ist mir letztens passiert. Wir planten die Teilnahme an einer großen Veranstaltung, erwarteten wie üblich viele Gespräche, etc. und dann begannen die Absagen. Aus Angst vor COVID-19, dem alles bestimmenden Thema dieser Tage. Aus Angst vor dem Unbestimmten, Unkontrollierbaren, Nicht-Einschätzbaren. Aus Angst vor Etwas, was man nicht kennt, das sich, so unsichtbar es ist, so unfassbar großflächig einnistet – in die Köpfe, in die Gedanken, in das Handeln. Und so unglaublich viele Menschen sprachlos macht. Genau darum geht es aber, in Zeiten einer solchen nicht erwarteten Krise – miteinander sprechen, Kommunikation aufrecht halten.

Doch wie kann Kommunikation gelingen in solchen Zeiten der Panik?

Ich habe festgestellt, dass zunächst Emotionen sehr stark werden. Die erste Absage erntet noch mildes Unverständnis, die zweite setzt erste Überlegungen in Gang, die dritte und vierte startet ein Umdenken und alle weiteren wachsen sich dazu aus, Alternativen zu überdenken. Man kommt unverhofft in einen Strudel von Ereignissen und sieht, dass der eine oder andere sich mitreißen lässt, dass Gespräche sich zusehends nur noch darum drehen, doch der eigentliche Fokus beginnt zu verschwimmen. Und genau darin liegt die Notwendigkeit einer starken, transparenten und konsequente Kommunikation.

Bereits 2001, nach dem 9. September erlebte ich eine solche Sprachlosigkeit. Zu der Zeit war ich verantwortlich für Sales und Marketing in einer Agentur, die sich gerade international aufgestellt hatte. Die Sorgen und Ängste eines jeden Einzelnen waren in jedes Gesicht geschrieben. Die Fassungslosigkeit beherrschte das Denken und Tun. In dieser Zeit lernte ich wie wichtig es ist, miteinander zu sprechen – auch wenn man nichts weiß. Ich stellte mich also vor die gesammelte Mannschaft und fasste zusammen was passiert ist, teilte auch meine persönlichen Gefühle und bat jeden darum, miteinander zu sprechen, auch um Akzeptanz dafür, dass das Management noch nicht alle Fragen beantworten könne, sie sich aber anhören würde. Und ich versprach, dass wir regelmäßig darüber informieren, sobald wir neues von unseren Kollegen und Freunden aus USA hörten. Und so lief das damals ab – über ein paar Tage. Was damals im Team entstand, war eine Solidarität untereinander, eine Ruhe und die Zuversicht, sich auf das Wesentliche im Job, die Projekte, konzentrieren zu können, dabei aber auf dem Laufenden gehalten zu werden.

Genau das Gleiche begann ich nun auch dieses Mal. Transparente, offene, ehrliche Kommunikation. Wir hatten die Veranstaltung gebucht, wie sollten wir nun damit umgehen? Ich wurde von verschiedenen Seiten gefragt, ob das Management schon etwas hinsichtlich unserer Teilnahme entschieden hätte. Ich sah, dass viele Kollegen und Kolleginnen ihrerseits versuchten Informationen einzuholen. Daher begann ich wieder mit einer pro-aktiven, transparenten Kommunikation. Diese folgenden Schritte haben mir auch hier wiederholt geholfen, das Thema zu benennen, ihm eine Plattform zu geben und doch möglichst den Fokus auf das Eigentliche des Tages zu lenken:

 

Fragen zulassen und zuhören

Fragen akzeptieren über eine, wie in diesem Fall, mögliche Absage oder Teilnahme. Versuchen Sie zu verstehen, warum es dem Fragenden wichtig ist und hören Sie auf die Antwort. Damit zeigen Sie Ihrem Gesprächspartner den Respekt vor seinen Gefühlen und Gedanken.

 

Informationen übersetzen und kanalisieren

Übersetzen Sie die Antworten in eine übergreifende Kommunikationssprache, die auch andere im Team nachvollziehen können. Binden Sie diese Antworten in Ihre Kommunikation ein, und zeigen Sie damit jedem Einzelnen, dass er/sie gehört wurde, geben aber auch anderen die Möglichkeit eigene Ängste wieder zu erkennen.

 

Mut zur Lücke und offen

Geben Sie offen zu, wenn auch Sie nicht die Antworten haben, oder auch wenn es nicht in Ihrer Entscheidungsgewalt steht etwas zu ändern. Zeigen Sie damit, dass es Situationen gibt, in denen nicht immer alles klar erscheint und doch der Weg nach vorne zeigen kann.

 

Verlässlichkeit beweisen und verstehen

Haben Sie einmal die Kommunikation begonnen, halten Sie sie am Laufen. Lieber eine E-Mail zu viel als eine zu wenig, lieber ein Meeting zu viel als eines zu wenig, um Gerüchte und Falschmeldungen schnell zu erkennen, zu verstehen und beantworten zu können.

 

Handlungsspielräume geben und vertrauen

In Zeiten, in denen individuelle Sorgen um das eigene Wohlergehen vorherrschen, ist es wichtig, Entscheidungen aus der Hand zu geben. Jeder einzelne sollte dann entscheiden, ob er z. B. an einer solchen Veranstaltung teilnehmen möchte oder nicht, dies aber auch offen und ehrlich kundtun. Achten Sie darauf, dass nicht irgendwelche Gründe vorgeschoben werden, sondern bitten Sie darum im Team offen und ehrlich damit umzugehen. Vertrauen Sie auf das Verständnis untereinander.

Das klingt alles sehr nach einer Einbahnstraße, doch das ist es nicht. Jeder im Team sollte in einer solchen Situation verstehen, dass auch er/sie dazu beitragen kann, das Team und das Projekt zusammenzuhalten. Da gibt es jene, die sich entscheiden an der Veranstaltung teilzunehmen. Da gibt es auch jene, die sich dafür entschieden haben fernzubleiben, und doch das große Ganze mittragen. Und genau diese Menschen sind nun besonders gefragt, aus der Deckung zu kommen und offen zu kommunizieren.

 

Ehrlichkeit

Teilen Sie ehrlich Ihr Gründe für Ihre Entscheidung mit. Bedenken Sie aber, der andere wird evtl. anders entscheiden, daher begründen Sie möglichst ohne Anspruch auf Richtigkeit oder Verständnis.

 

Akzeptanz

Akzeptieren Sie die Entscheidung der anderen in einer möglichst neutralen, wertfreien Art.

 

Aufmunterung

Geben Sie sich gegenseitige Aufmunterungen über den Tag verteilt. Die, die auf einer Veranstaltung sind, freuen sich über eine Textnachricht der anderen. Die, die im Büro sind, sind eventuell an den Geschehnissen auf der Veranstaltung interessiert. Gerade, die die im Büro und somit in ihrer gewohnten Umgebung sind, sollten hier pro-aktiv sein.

 

In diesen Tagen der unvorhersehbaren Zukunft wünsche ich Ihnen um so mehr Gesundheit und Zuversicht.

März 14th, 2020 by