August 27th, 2018 by Sylvia Lohr

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Agiles Arbeiten, das Überwinden althergebrachter Projekt- und/oder Organisationshierarchien scheint hipp und vor allem bei Jüngeren absolut angesagt. Bedeutet es doch vermeintlich absolute Freiheit, sich Tasks selbst auszusuchen und selbstbestimmt umzusetzen. Es gibt keine Anweisungen mehr, und jeder ist dafür da, den Einzelnen zu coachen und zu einem höheren Level zu bringen. Letzteres gilt vor allem für die senioreren Professionals.

Häufig wird älteren Teammitgliedern das Verständnis für agiles Teamarbeiten abgesprochen, denn üblicherweise kommen diese ja aus Wasserfall-Unternehmen. Sie sollen/möchten intuitiv spüren, wie Teams von heute funktionieren und zeitgleich als Beispiel vorangehen.

Soweit zumindest das Denken. Doch stimmt das? Meiner Erfahrung nach nein. Agil bedeutet weder absolute Freiheiten, noch das Fehlen von Hierarchien oder muss von Älteren noch gelernt werden, wohingegen die Jüngeren es intuitiv leben. Jede Generation muss agiles Verständnis erst aufbauen, am besten gemeinsam im Team. Scheitern zulassen und als Schritt auf dem Weg zur eigenen Entwicklung erkennen. Niemand anderes ist dafür verantwortlich, dass der Einzelne sich weiterentwickelt, als derjenige selbst.

Schauen wir uns doch die Werte in einem agilen Umfeld mal an.

Openness – Offenheit

Offen, neugierig für Neues und Unerwartetes. Das bedeutet auch, sich mit Themen unvoreingenommen auseinanderzusetzen, die vorher noch nie aufgetreten sind. Jüngeren kann das leichter fallen, da sie hiermit evtl. bisher weniger Erfahrungen gemacht haben und daher weniger Erlerntes mitbringen. Doch ist es auch eine Wesensart, die ebenso Ältere dazu bringt, Neues zu erkennen, zuzulassen und umzusetzen.

Offenheit bedingt Mut, und das bringt mich zum nächsten Wert.

Courage – Mut

Mut hat man oder man hat ihn nicht, zumindest die Veranlagung hilft dabei. Denn Mut kann man auch lernen: je mehr positive Erfahrungen man aus einer unbequemen Situation mitbringt, desto leichter wird es fallen sich neuen Dingen zu öffnen und die Angst vor Kontrollverlust reduziert sich. Das ist nachweislich alters- und generationsunabhängig.

Wenn das verstanden wurde, ist der Weg zum nächsten Wert logisch.

Respect – Respekt

Eine Gesellschaft, ein Team, oder anders ausgedrückt jede Interaktion und Reaktion mit und auf Menschen bedingt Respekt. Davor, dass das Gegenüber eigene Ideen mitbringt, neue Gedanken aufbringt und vor allem zunächst einmal existiert, um etwas zu bewegen. Auch dieses Verhalten ist altersunabhängig, doch vielmehr geprägt durch Erziehung und Gesellschaftsform. Genau das macht diesen Wert auch so komplex, denn wir können nicht beeinflussen woher wir oder unser Gegenüber kommt. Doch jeder kann seine eigene Haltung definieren und entsprechend einwirken.

Sich selbst zu verändern bringt auch den nächsten Wert zum Vorschein.

Focus – Fokus

Der Wert im agilen Umfeld liegt auf Schaffung von Mehrwert. Das entsteht u.a. auch durch Fokussierung, auf das was in einer bestimmten Situation benötigt wird. Wenn man nun auch Mehrwert in ein Team bringen möchte, sollte man sich erst einmal selbst kennen. Also durchaus ab und an den Fokus auf sich selbst, seine Haltung, sein Wissen und seine Ziele legen. Gemeinhin geht man davon aus, dass ältere Menschen geduldiger sind, was natürlich bei einer Selbstbetrachtung helfen kann. Doch habe ich viele Menschen im agilen Umfeld getroffen, die egal welchen Alters durchaus von sich selbst eingenommen sind und darüber hinaus andere Menschen bewerten. Meistens zum Schlechteren, denn man selbst ist ja bereits perfekt.

All jenen, denen agiles Management bekannt ist, werden nun erkennen, dass dieses Verhalten alles andere als agil ist. Denn in einem agilen Umfeld gibt es keinen fertigen oder perfekten Zustand. Alles ist jederzeit im Wandel und muss den aktuellen Gegebenheiten angepasst werden.

Und hier kommt der fünfte Wert zum Tragen.

Commitment – Engagement/Einsatz

In einem agilen Umfeld geht man davon aus, dass jeder das notwendige Engagement mitbringt, um eine Lösung umzusetzen. Doch warum gilt das nur in agilen, modernen Unternehmen? Jeder Mensch, der etwas erreichen möchte, und sei es einen schönen Geburtstagskuchen zu backen, wird sich engagieren und einbringen. Umso mehr fällt das natürlich in komplexen Situationen auf. Hier muss jede wirkliche Verantwortung für sein Handeln übernehmen, damit das ganze Team und somit das Produkt funktionsfähig ist. Bringt in einem solchen Umfeld nur einer weniger Engagement als die anderen, wird das gesamte Team scheitern. Hierzu gehört auch die Bereitschaft, sich mit Fehlern, die evtl. aus dem eigenen Tun entstehen, auseinanderzusetzen. Es sind nicht immer die anderen, die zu einem Fehlschlag beigetragen haben, sondern durchaus jede Einzelne mal mehr, mal weniger. Siehe hierzu auch Respekt und Fokus.

Empfehlung

In Zeiten der fortschreitenden Globalisierung und Schaffung neuer digital geprägter Arbeitswelten, ist es unabdingbar sich den neuen Arbeitsmethoden anzunähern. Da agiles Arbeiten eine echte Disruption im Unternehmen bedeutet, ist es ratsam, sich diesem Thema behutsam und bedacht zu nähern. Man muss erst einmal verstehen, wo sich das Unternehmen vor allem aber jeder einzelne im Unternehmen befindet. Hierzu gibt es eine Menge Tools, die helfen den Ist-Zustand zu verifizieren. Ein solches hilfreiches Tool ist z.B. das Agile Affinity Model, mit dem oftmals unbewusste Einschätzungen der Situation aufgedeckt und in Relation gesetzt werden können. Das Resultat ist eine wertfreie Beobachtung der aktuellen Lage, die dann in der Gruppe besprochen wird.

Die hieraus resultierenden Erkenntnisse sollten dann priorisiert in kleine Abschnitte geclustert werden, die Arbeitsgruppen dann Schritt für Schritt umsetzen. Scrum, Kanban oder andere agile Vorgehensmodelle können einen hilfreichen Rahmen bilden. Welche hierfür die richtige Vorgehensweise ist, hängt maßgeblich vom Wesen des Unternehmens ab. Ein paar Fragen hierzu könnten sein: Wie transparent sind die Abläufe bereits? Wieviel Erfahrung liegt bereits mit agilen Methoden vor? Gibt es bereits agile Ansätze? Wie schnell können die jeweiligen Wertschöpfungsketten erfolgreich produzieren? Natürlich gibt es hierzu auch verschiedene Möglichkeiten erste Einblicke in agile Modelle zu erhalten, online oder über z.B. Dienstleister.

Fazit

Ich habe bewusst versucht von möglichen Ratios zu sprechen, denn jede Gesellschaft besteht auch aus Menschen, die bevorzugt in einem vorgegebenen Rahmen leben und agieren. Und diese Menschen sind genauso wichtig wie agil ausgerichtete. Es gibt m.E. kein richtig oder falsch, sondern nur persönliche Vorlieben, nach denen jeder leben können sollte, damit eine nachhaltige, gesunde und erfolgreiche Gesellschaftsform bestehen kann. Und jeder Mensch kann von anderen lernen – unabhängig von Alter, Herkunft, Geschlecht, etc.

Von diesen Gedankengängen ausgehend, denke ich, dass auch solche Unternehmen, die sich heute bereits als agil betiteln, Potential haben sich von Zeit zu Zeit kritisch zu betrachten, ob sie wirklich diese Werte von Agile Management leben. Denn agil heißt auch voneinander lernen, Neues und Neue zuzulassen und stetig nach Verbesserung zu streben. Und das gilt sowohl für junge Hüpfer als auch alte Hasen.

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