Oktober 18th, 2018 by Sylvia Lohr

Keine Zeit zum Lesen? Dann hören Sie einfach den Blogcast: 

 

Immer wieder wird darüber gesprochen, dass in der digitalen, agilen Welt bestimmte Skills benötigt werden. Ich frage mich, ob Soft Skills nur dort erwartet werden sollten? Oder gab es die Notwendigkeit auch schon in früheren Projekten, auch in Wasserfallwelten und über Generationen hinweg?

Ein Artikel der Computerwoche führt jene 11 Soft Skills auf, die die Autoren Gabriele Peters-Kühlinger und Friedel John für ihr Buch "Soft Skills" als die Wichtigsten von Personalern genannt bekamen.
Für mich bauen sich die folgenden Soft Skills logisch aufeinander auf – unabhängig von der Arbeitswelt in der sich jeder befindet. Wer seine Stärken und Schwächen kennt, kann sich in andere einfühlen, begegnet neugierig Unbekanntem, wird dies auch offen kommunizieren, freut sich an engagierten Teams, unterstützt andere in ihrer Weiterentwicklung, reflektiert Kritik auch um sich selbst weiterzuentwickeln, analysiert Konflikte und löst sie mit pragmatischen Ansätzen, beherrscht seine Emotionen und kann überzeugen.

Selbstbewusstsein

Sich selbst bewusst wahrnehmen, die eigenen Stärken und Schwächen kennen. Das hilft dabei, auch die Stärken und Schwächen der anderen zu erkennen, diese aber auch als solche zu belassen, ohne Wertung oder den Versuch Einfluss zu nehmen.

Einfühlungsvermögen

Sich in Empfindungen, Gedanken anderer Menschen und deren Gegebenheiten einfühlen und diese verstehen. Diese emotionale Basis macht nachhaltige zwischenmenschliche Interaktionen erst möglich. Dazu muss man seine eigenen Gefühle kennen und sicher damit umgehen. Empathie leben und zeigen, kann dabei helfen, leichter einen Konsens mit anderen zu finden.

Vertrauenswürdigkeit

Ein Mensch, auf den absoluter Verlass ist, in kritischen Situationen oder auch bei vertraulichen Informationen. Jemand der Verantwortung übernimmt, andere in den Vordergrund stellt und zu seinem Wort steht. Ein absolutes Muss, um ein Team aufzubauen und Menschen zu fördern.

Neugierde

Mut Altes zu verlassen und Neues zu betrachten, offen für Neues, Interesse an Anderem - das macht neugierige Menschen aus und fördert Kreativität.

Kommunikative Kompetenz

Kommunikationsfähigkeit bedeutet, dass man sich verständlich und empfängerorientiert ausdrücken kann. Sie ist respektvoll und darauf ausgerichtet, sich mit anderen auszutauschen, Dinge verbal zu klären und Wissen durch Kommunikation weiterzugeben oder eigenes Wissen zu erweitern.

Teamfähigkeit

Teamfähig zu sein bedeutet unter anderem sich konstruktiv, respektvoll, tolerant, engagiert, motivierend und wertschätzend einzubringen. Die Gruppe und das gemeinsam definierte Ziel stehen im Vordergrund, wobei auch hinterfragt und gefordert werden darf und soll.

Kritikfähigkeit

Kritik üben – immer fair, sachlich und respektvoll, aber auch Kritik annehmen, reflektieren und entsprechend umsetzen. Nur wenn es möglich ist, Feedback oder auch Kritik miteinander auszutauschen, können Teams erfolgreich Projekte umsetzen und sich dabei jeweils weiterentwickeln.

Analytische Kompetenz

Situationen rasch erfassen und entsprechend schnell reagieren. Diese Fähigkeit hilft dabei, schnell auf Herausforderungen zu reagieren, Lösungsmöglichkeiten zu erkennen und wenn notwendig gemeinsam mit dem Team das Ziel zu justieren. Die analytische Kompetenz kann auch dabei helfen, emotionale Situationen pragmatisch zu lösen.

Selbstdisziplin/Selbstbeherrschung

Sich nicht seinen eigenen Emotionen unterordnen, sie beherrschen und somit die Fakten im Fokus behalten. Nur wer sich selbst im Griff hat, kann andere mit pragmatischen Argumenten überzeugen.

Konfliktfähigkeit

Auffassungen anderer zu akzeptieren und sich offen mit den Mitmenschen auseinandersetzen. Somit können Kompromisse gefunden und Konflikte gelöst werden. Und davon profitiert das Team, das Projekt und letztendlich jeder einzelne.

Durchsetzungsvermögen

Überzeugen, statt überreden - oder zwingen. Gerade wenn es sich um total neue Ideen handelt, für die Erfahrungswerte fehlen, muss man vertrauenswürdig sein, empathisch und selbstbewusst, um Innovationen durchzusetzen.

Die 5 agilen Werte

Betrachten wir die 5 Werte der agilen Arbeitswelt (Mut, Respekt, Commitment, Openness, Fokus), so sehen wir, dass sie sich u.a. auch von diesen Soft Skills ableiten lassen:
  • Selbstbewußtsein => Mut
  • Empathie => Respekt
  • Vertrauenswürdigkeit => Commitment
  • Neugierde => Openness
  • Teamfähigkeit => Commitment
  • Analytische Kompetenz => Fokus
  • Selbstdisziplin/Selbsbeherrschung => Respekt
  • Konfliktfähigkeit => Respekt
  • Durchsetzungsvermögen => Commitment

Fazit

Soft Skills vereinen sämtliche Eigenschaften, Fähigkeiten und Qualifikationen, die nicht per Berufs- und/oder Hochschulausbildung erlangt werden können. Sie betreffen persönliche Kompetenzen, soziale Kompetenzen und methodische Kompetenzen und sind somit die Summe aus Talenten, Charakterzügen, Erziehung, Umfeld und Erfahrungen.
Unabhängig vom Arbeitsumfeld, von der Projekt- oder Teamgröße – Soft Skills sind immer und überall notwendig. Nur wenn jeder über weiche Fähigkeiten verfügt, kann ein Team erfolgreich und nachhaltig zusammenarbeiten – ob im agilen Umfeld oder in Wasserfallprojekten.
Wenn wir nun zurückkehren zu den Anforderungen an Leader von heute, dann wird schnell ersichtlich, dass der/die am besten ist, der/die möglichst viele Soft Skills authentisch aus sich heraus lebt und umsetzt. Oder?

Posted in Blog Tagged with: ,